Immer mehr Fabriken werden in Deutschland komplett silllgelegt und ins Billiglohnland verlagert.
Bietet die Agenda 2010 die richtige Antwort auf den globalen Dumpingwettbewerb, den unsere Politiker durch den Zollabbau selbst heraufbeschworen haben?

 

 

Fünf Jahre Agenda 2010

Eine traurige Bilanz!

Das umstrittene Reformerk erfüllt trotz zahlloser Korrekturen auch nach fünf Jahren nicht einmal ansatzweise die Erwartungen.

 

Fortsetzung des Artikels: Brachten die Agenda 2010 oder Hartz IV den Aufschwung?

 

Folgen der Agenda 2010:

3. Der Druck auf das gesamte Lohnniveau nimmt zu!
Dadurch, dass hochqualifizierte Facharbeiter und Spezialisten jetzt auch schlechtbezahlte einfache Jobs annehmen müssen, gewinnt die Lohnabwärtsspirale weiter an Dynamik. Der Druck auf die Löhne verstärkt sich auf breiter Front - auf Dauer gesehen also sinkende Arbeitseinkommen bis hinauf zu den Besserverdienern.

 

Folgen der Agenda 2010:

4. Wohl dem, der nichts hat! (dem kann auch nichts genommen werden)
Die Agenda 2010 spaltet die Arbeitslosen in zwei Lager: Diejenigen, die nichts besitzen (weil sie zum Beispiel nie gearbeitet haben oder völlig mittellos aus dem Ausland kamen) genießen weiterhin eine Art Vollkasko-Versorgung (wenn auch auf niedrigem Niveau). Vollkasko deshalb, weil der Staat bei den Mittellosen für alle Eventualitäten und Schicksalsschläge bis zur Prozesskostenhilfe aufkommen muss. Wer sich mit wenig begnügt, für den gibt es auch weiterhin keinen Arbeitsdruck, vor allem wenn er in einer großen Familie mit Kindern lebt, die alle vom Staat versorgt werden (eine Alleinerziehende mit 3 kleinen Kindern erhält etwa 2000 Euro netto).
Völlig anders geht es dagegen denjenigen, die sich angestrengt, abgerackert, fortgebildet und evtl. etwas angespart haben.
Diese "bessergestellten" Arbeitslosen sind die großen Verlierer der Agenda 2010, denn ihnen geht der Staat ans Eingemachte, an das noch nicht abbezahlte Häuschen, an die Ersparnisse fürs Alter usw. Diese Leute (eigentlich die ehemaligen Stützen unserer Gesellschaft), müssen im Falle der Erwerbslosigkeit alles an Arbeit annehmen, was ihren Absturz hinauszögern könnte. Das ist die neue Gerechtigkeit der Agenda-2010-Erfinder.

 

Folgen der Agenda 2010:

5. Leiharbeit breitet sich aus!
Gut, dass in Deutschland die Sklaverei verboten ist. Nicht gut, dass Leih- bzw. Zeitarbeit erlaubt sind und durch die Agenda 2010 erheblich gefördert wurden. Leiharbeiter erhalten in der Regel nur 50 bis 70 % des Einkommens der Stammbelegschaft, haben "als Ausgleich" dafür aber deutlich weniger Rechte und Absicherungen. Kann man Unternehmern, die ständig unter Kostendruck stehen (wegen der Globalisierung = Zollabbau) verdenken, dass sie versuchen, Teile ihrer Stammbelegschaft pö a pö durch Leiharbeiter auszutauschen?

 

Die Komplexität der Agenda 2010 provoziert jährlich Hunderttausende Prozesse, die der Allgemeinheit Unsummen kosten und unsere Gerichte und Justiz schwer belasten. Mittlerweile mussten an der Agenda 2010 über 50 Gesetzesänderungen vorgenommen werden. Und immer noch hält sich in der Öffentlichkeit das Gerücht, die Agenda 2010 sei ein Erfolg gewesen.

 

Folgen der Agenda 2010:

6. Absturz der SPD und eine neue Linkspartei...
Logisch, dass die Agenda 2010 starke Veränderungen in der Parteienlandschaft auslöste. Dass enttäuschte SPD-Wähler in Scharen zur Linkspartei überwechselten, kann doch eigentlich niemanden verwundern. Einher mit diesen Veränderungen geht leider eine Schwächung des Staates, denn Regierungsbildungen sind durch das neue 5-Parteien-System schwieriger geworden und es müssen noch mehr Kompromisse eingegangen werden. Allein dieser eine Punkt macht die Agenda 2010 volkswirtschaftlich gesehen zu einem Desaster.

 

Folgen der Agenda 2010:

7. Keine positive Arbeitsbilanz!
Die Agenda zwingt hochqualifizierte Leute in einfache Arbeitsverhältnisse. Dadurch verschwinden zwar Langzeitarbeitslose aus der Arbeitslosenstatistik, der Preis dafür ist aber hoch (Anheizung der Lohnabwärtsspirale, Vergeudung von Expertenwissen). Ein wenig erinnert mich dieser Frevel an die desaströse Kulturrevolution in China, denn dort wurden auch Akademiker zu Hilfsarbeitern degradiert.
Hinzu kommen die zahlreichen Negativexperimente der Agenda 2010 (zum Beispiel die Ich-Ag), die sicher mehr Arbeitsplätze gekostet als geschaffen haben und die heilenden Kräfte der Marktwirtschaft unterlaufen. Ich vermute, dass unterm Strich die Agenda 2010 keine positiven Aspekte auf dem Arbeitsmarkt erwirkt hat. (der wirtschaftliche Aufschwung 2006 und 2007 hat ganz andere Gründe -
mehr dazu).

 

Folgen der Agenda 2010:

8. Die Agenda 2010 und der Mindestlohn sind der totale Widerspruch
Erst hat man durch die Agenda 2010 den Druck auf die Arbeitslosen stark erhöht, so dass zwangsläufig sich die Lohnabwärtsspirale munter weiterdreht, und dann versucht man diesen politisch herbeigeführten Abwärtstrend wieder durch Mindestlöhne zu korrigieren. Widersprüchlicher und kopfloser geht's kaum noch! Leider kann es so nicht funktionieren. Denn die etwas bessergestellten Arbeitslosen sitzen nun vollkommen in der Falle: Um ihren Besitz (z. B. Eigentumswohnung) zu erhalten, müssen sie unbedingt eine Arbeit annehmen - aber bei zu hohen Mindestlöhnen gehen viele der in Frage kommenden Arbeitsplätze verloren. Für den Alg-II-Bezieher bestehen dann kaum noch Chancen, erspartes Vermögen durch ein neues Arbeitsverhältnis zu erhalten.

 

Folgen der Agenda 2010:

9. Hartz IV hat das Problem der fehlenden Arbeitsplätze nicht gelöst!
Von Anfang an war klar, dass die Agenda 2010 keine Arbeitsplätze schafft, sondern eben nur den Druck auf die Erwerbslosen erhöht. Schon die Zielrichtung war also von vornherein fragwürdig. Anstatt Arbeit zu schaffen durch die Abnabelung vom globalen Lohndumpingwettbewerb (z. B. durch eine Lohnkostenreform oder Zollanhebungen) hat man einfach den allgemeinen Arbeits- und Leistungsdruck in der Bevölkerung erhöht. Meine persönliche Meinung: Dümmer und hinterhältiger geht's kaum noch!

 

Folgen der Agenda 2010:

10. Breite Verunsicherungen in der Bevölkerung
Die Agenda 2010 hat es geschafft, den Wohlfühlfaktor in unserer Bevölkerung weiter herunterzudrücken. Niemand kann heute mehr sicher sein vor seinem gesellschaftlichen Absturz, jeder lebt auf einem Pulverfass. Bei Jobverlust droht das totale Chaos - auch wer noch so viel in seine Ausbildung investiert hat muss damit rechnen, sich schon bald als Hilfs- oder Leiharbeiter anbiedern zu müssen.
Dieser ständige Druck, der nunmehr auf der gesamten Bevölkerung lastet, ist natürlich das pure Gift für den Staat und die Volkswirtschaft. Wer keine gesicherte Zukunft hat, wagt und investiert weniger. Darunter leiden die Familienplanung (weniger feste Bindungen, weniger Kinder), die berufliche Ausbildung, die Investition in langfristige Güter (Wohnungseigentum) usw.

 

War die Agenda 2010 ein Heldenakt?

Exkanzler Schröder wurde von den Medien für seine Agenda 2010 weitgehend mit Lob überschüttet: "Er sei sehr mutig gewesen", "er habe staatspolitisch und nicht parteipolitisch gehandelt" hieß es immer wieder.

Aber war die ganze Aktion wirklich so mutig? War nicht das Durchfechten der Lohnkostenreform von Angela Merkel gegen die geballte Medienmacht viel mutiger (es hätte ihr beinahe den Wahlsieg gekostet). Die Frage stellt sich auch, wie sehr sich Schröder wirklich seiner Partei verpflichtet fühlte. Kann es vielleicht sein, dass sein persönliches Erscheinungsbild, die Lobpreisungen der Medien, ihm weit mehr bedeuteten als das Ansehen der SPD?

 

Der uralte Verschleierungstrick: Man packe derart viele Vorhaben in ein Reformwerk, dass eine sachkundige Beurteilung kaum mehr möglich ist.
Was hat man nicht alles in das Agenda-2010-Reformpaket hineingefercht! Da wurden Lohn-, Einkommens- und Unternehmenssteuern gesenkt, die Handwerksordnung aufgeweicht, der Kündigungsschutz gelockert, Bildungsausgaben erhöht, Ganztagsschulen gefördert, der Bezug des Arbeitslosengeldes gekürzt, der Vermögensschutz bei Arbeitslosen weitgehend aufgehoben, die Zumutbarkeitsregeln bei der Arbeitsuche verschärft, Krankenkassenleistungen gestrichen, eine Praxisgebühr eingeführt, die Renten gekürzt, die Betreuung von Kleinkindern noch weiter subventioniert, Ich-Ag's eingeführt, Sozialhilfe und Arbeitslose in einen Topf geworfen und noch vieles mehr.
Bei einem derart großen und unübersichtlichen Maßnahmenkatalog ist eine neutrale Bewertung natürlich kaum möglich. Mit diesen verwirrenden Aktionen kann man Kritiker sehr schön austricksen und mundtot machen. Denn gegen Steuersenkungen zum Beispiel wird sich niemand auflehnen. Es fragt sich bloß, was die Steuersenkungen in der Agenda 2010 überhaupt zu suchen haben. Steuersenkungen hat es häufig gegeben, auch ohne Agenda - und nun werden sie als Feigenblatt missbraucht. Auch die anderen positiv wirkenden Aspekte sind keine Neuerfindung, sondern steter Trend. Eine Förderung der Familien- und Bildungspolitik wird seit einem Jahrhundert betrieben - sie dem Agenda-2010-Vorhaben einzuverleiben ist schamlos.

 

Wer ein Reformwerk mit einem Wust von Vorhaben überfrachtet und verunstaltet, handelt meines Erachtens unaufrichtig und unprofessionell.
Das Problem bei einem solchen Reformwirrwarr ist doch, dass im Falle eines Erfolgs niemand mehr sagen kann, was denn nun im Einzelnen geholfen hat. Einem Arzt würde es auch nicht einfallen, seine Patienten mit einem Sammelsurium von Tabletten vollzustopfen in der Hoffnung, es werde schon die richtige dabei sein. Wichtig sowohl bei Krankheit als auch bei Staatsproblemen ist eine fachgerechte Diagnose mit einer anschließenden gezielten Therapie. Dann kann man genau sehen, ob diese Therapie nun angeschlagen hat oder nicht. Ein undurchschaubares Maßnahmenpaket bringt einen dagegen keinen Schritt weiter, daraus können weder Lehren noch Rückschlüsse gezogen werden.

 

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 © Manfred J. Müller, Flensburg  

Es geht auch anders...

Der obige Aufsatz beleuchtet nur einen Teilaspekt, warum es in Deutschland seit 30 Jahren bergab geht. Das ganze Ausmaß der Misere wird in meinen Büchern aufgedeckt.

In Deutschland fehlen nicht drei, sondern zehn Millionen versicherungspflichtige Arbeitsplätze, seit 30 Jahren sinken Reallöhne und Renten trotz doppelter Produktivität, die Staatsschulden steigen ins Uferlose trotz einschneidender Sparmaßnahmen und ständig drohen neue Spekulationsblasen, Euro- und Weltwirtschaftskrisen. Wer uns diese Entwicklung als Erfolg verkaufen will ("uns geht es doch allen gut"), hat keinen Respekt vor der Wahrheit!

Buch-Neuerscheinung Ende Februar 2011 (DAS KAPITAL, Band 3):
DAS KAPITAL und der Sozialstaat
Umverteilung bis zur Perversion? Wann kollabiert das Sozialsystem?
Broschürt, 104 Seiten, nur Euro 7,90.
Hat der Gesetzgeber nicht längst schon den Überblick verloren? Wenn es bereits vielen Hartz-IV-Familien besser geht als entsprechend großen Doppelverdiener-Haushalten, kann von einem Lohnabstandsgebot wohl kaum noch die Rede sein. Das Buch offenbart das ganze Ausmaß der Perversion unseres Umverteilungssystems - ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten und feigen Maulkorberlassen.
Fazit: Soll unser Wohlfahrtsstaat erhalten bleiben, muss er umgebaut werden. Dabei steht das Wie im Vordergrund dieses Buches.
Klappentext

Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlicht tabulose Aufsätze zu brisanten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen die Gesetzgebung beeinflussten. Seine Websites erreichen im Jahr etwa eine Million Besucher. Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a. die Trilogie "DAS KAPITAL".

 

Fünf-Jahres-Bilanz der Agenda 2010 in Kurzfassung:

Die Agenda 2010 schaffte keine neuen Arbeitsplätze...

Warum feiern Konzerne, Parteien und Medien die Agenda 2010 als Erfolg?

Die Agenda 2010 als Schuldumkehr...

 

 

 

Agenda 2010


Besser als jede Agenda 2010:

Hartz IV - ist der Sozialstaat noch zu retten?
Müssen die Hartz-IV-Regelsätze erneut angehoben werden?
Ist das alles überhaupt noch finanzierbar?
Geht es Hartz-IV-Familien teilweise schon besser als Normalverdienern?


Gibt es seit Hartz IV keine Arbeitsverweigerer mehr?


Wie sozial ist die Mehrwertsteuer?
Wäre eine erneute Mehrwertsteueranhebung
sinnvoll?


Tabuthema Aufstocker


Funktioniert das Lohnabstandsgebot?



Warum gibt es keine Rentenanpassungen?
Statt auf die Agenda 2010 zu setzen, hätten grundsätzliche Reformen kommen müssen.


Ist die Globalisierung unser Ruin?
Das Grundübel ist das globale Dumpingsystem.
Weil man keine Traute hat dies zu beenden, setzt man mit der Agenda 2010 die Daumenschrauben an.


Rettungsanker Bildungsoffensive?
Haben wir einen Bildungsnotstand, brauchen wir mehr Akademiker?


Den Kapitalismus verstehen...
Nur wer die Triebkräfte des Kapitalismus begreift, kann auch die Globalisierung und die Ursachen der Massenarbeitslosigkeit verstehen.


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